Info- und Thesenpapier

Info- und Thesenpapier zum Thema 2:
Zu den Handlungsempfehlungen
des Brundtland-Berichtes

Inhaltsverzeichnis


A. Wesentliche Begriffe

  1. Sustainable Development‚ ist die „Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Hauff, S. 46).
  2. Dem Paradigma der „aufholenden Entwicklung“ liegt der Gedanke eines exportinduzierten Wirtschaftswachstums der Entwicklungsländer mit dem Ziel der Ausweitung der Lebens-, Produktions- und Konsumweise der Entwicklungsländer auf das Niveau der Industrieländer zugrunde.
  3. Die „engine of growth“-Theorie besagt, daß Wirtschaftswachstum im wesentlichen durch Exporte, das heißt durch die Importnachfrage einer anderen, meist höher entwickelten Region oder eines anderen Landes induziert wird.
  4. Im Brundtland-Bericht enthaltene Nutzungsregeln (Hauff, S. 48 f.)
    1. Erneuerbare Ressourcen (wie z.B. Wälder und Fischbestände) werden nicht zerstört, wenn die Nutzungsrate innerhalb der Grenzen von Regeneration und natürlichem Wachstum bleibt. Maximale dauerhafte Erträge müssen bei den meisten erneuerbaren Ressourcen definiert werden.
    2. Bei der Nutzungsrate nichterneuerbarer Ressourcen (wie z.B. fossile Brennstoffe und Minerale) sollte in Betracht gezogen werden, wie wichtig diese Ressource ist, ob Technologien zur Verfügung stehen, die Nutzung zu minimieren, und ob wahrscheinlich Ersatzstoffe zur Verfügung stehen bzw. zur Verfügung stehen werden. Für Minerale und fossile Brennstoffe sollten Verbrauchsrate und Wichtigkeit von Recycling und wirtschaftlichem Verbrauch festgelegt werden, um sicherzustellen, dass die Ressource nicht verbraucht ist, bevor angemessene Ersatzstoffe verfügbar sind.
    3. Ungünstige Einflüsse von Schadstoffen (wie z.B. Abfall) auf die Qualität von Luft, Wasser und Boden sind zu minimieren (Belastungsbegrenzung).

B. Die vier Bedingungen des ,Sustainable-Development‘-Konzepts der Brundtland-Kommission (Hauff, S. 9 f.)

  1. Beseitigung der (Massen-)Armut durch eine neue Ära wirtschaftlichen Wachstums.
  2. Gerechte Ressourcenverteilung (zwischen ,Armen‘ und ,Reichen‘).
  3. Größe und Wachstum der Bevölkerung werden auf das Produktivpotential des Ökosystems „Erde“ abgestimmt.
  4. Dynamischer Wandel durch politischen Willen, der auch schmerzhafte Entscheidungen beinhaltet.

C. Beispiel zentraler Handlungsempfehlungen (Hauff, S. 13-15)

Die Handlungsempfehlungen beinhaltet Unterziele des Hauptziels ,Sustainable Development‘ und Maßnahmenvorschläge, die der Mittelebene zuzurechnen sind.

Grafik mit Beispielen für Handlungsempfehlungen


D. Thesen

1. Aus den Nutzungsregeln der Brundtland-Kommission abgeleitete These:

Die Brundtland-Kommission ist angesichts der Nutzungsregeln in ihrem Bericht implizit von einer begrenzten Substituierbarkeit zwischen Natur-, Sach- und Humankapital ausgegangen. Sie hat damit einen Standpunkt zwischen zwei extremen Positionen eingenommen. Den Radikalökologen, die jegliche Form von Substituierbarkeit negieren, und den neoklassischen Umweltökonomen, die regelmäßig eine vollständige Substituierbarkeit unterstellen. Für die Operationalisierung des Konzepts des ‚Sustainable Development‘ ist es von maßgeblicher Bedeutung, das die Frage der Substituierbarkeit im konkreten Einzelfall geprüft und beantwortet wird.

2. These zu den Bedingungen, die dem ,Sustainable Development‘-Konzept der Brundtland-Kommission zugrunde liegen:

Der Brundtland-Bericht enthält Bedingungen für sein Konzept des ‚Sustainable Development‘, die auf kritischen impliziten Annahmen beruhen. Optimistisch und nicht belastbar sind die Annahmen, dass

  • weiteres wirtschaftliches Wachstum ökologisch tragfähig ist,
  • das Produktivpotential des Ökosystems die derzeitige und künftige Bevölkerungsgröße verkraften kann und
  • sich die Weltbevölkerung bei nur sechs Milliarden einpendeln wird.

Darüber hinaus ist die Anwendung der „engine of growth“-Theorie höchst problematisch, mit der die Notwendigkeit eines exponentionellen Wachstums in allen Industrie- und Entwicklungsländern begründet wird. Aufgrund der fehlenden Einflussmöglichkeit zukünftiger Generationen auf den Zielkonflikt zwischen inter- und intragenerativer Gerechtigkeit und der Anwendung der „engine of growth“-Theorie droht das Ziel der intragenerativen Gerechtigkeit Vorrang zu erlangen.

3. These zu den Handlungsempfehlungen des Brundtland-Berichtes:

Die Handlungsempfehlungen des Brundtland-Berichtes können aufgrund der zu optimistischen Annahmen, die dem Konzept des ‚Sustainable Development‘ zugrunde gelegt wurden, das vorgegebene Ziel ‚Sustainable Development‘ wohl nicht erfüllen. Erschwerend kommt hinzu, das sie wegen der angestrebten (und erreichten) einstimmigen Verabschiedung des Berichtes in erster Linie nach ihrer politischen Realisierbarkeit und erst in zweiter Linie nach der Notwendigkeit für die Realisierung eines ‚Sustainable Development‘ ausgewählt wurden.

4. These zur umwelt- und entwicklungspolitischen Relevanz des Konzepts des ,Sustainable Development‘:

Angesichts globaler Umweltprobleme (z.B. Treibhauseffekt und Ozonloch) hat sich das Paradigma der „aufholenden Entwicklung“ als unhaltbar erwiesen. Die Politik bedurfte deshalb einer neuen Handlungsmaxime. Es ist der Verdienst der Brundtland-Kommission, dem Konzept des ‚Sustainable Development‘ als neuem Leitbild der Politik zum Durchbruch verholfen zu haben.

5. These zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen:

Die große Zahl bereits umgesetzter Handlungsempfehlungen kann als Beleg für die Handlungsfähigkeit der einzelnen Staaten und der internationalen Staatengemeinschaft gewertet werden. Sie ist ein Indiz für die hohe Akzeptanz des Leitbildes ‚Sustainable Development‘. Ungewiss bleibt jedoch, ob die optimistische Botschaft des Brundtland-Berichtes „Zum Handeln ist es noch nicht zu spät“ zutrifft und die eingeleiteten Maßnahmen geeignet sind, mindestens die grundlegende Lebenserhaltungsfunktion der Natur zu erhalten.

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Webseite veröffentlicht am Dienstag, den 14. Dezember 2010, um 20:17 Uhr,
zuletzt geändert am Samstag, den 18. Dezember 2010, um 13:39 Uhr.
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